Die Feldbahnanlage

Am 23.September 2004 haben wir hinter dem Dorfgemeinschaftshaus eine kleine Feldbahnanlage aufgestellt. Diese Anlage soll an die Bedeutung der Feldbahn für die Erschließung des Emslands und damit auch für Neugnadenfeld hatte.

Feldbahnen wurden hier seit Anfang der 30er Jahre eingesetzt, als mit dem Reichsarbeitsdienst mit der Kultivierung des Moores begonnen wurde. Zur Blütezeit der Feldbahnen gab es ein Netz, das von Kleinringe im Süden am Kanal entlang mit Stichbahn zum Bahnhof Hoogstede über Georgsdorf, Wietmarschen, Dalum, Fullen bis nach Rheede reichte oder auch noch weiter. Die Schienen konnten ohne großen Aufwand dort verlegt werden, wo sie gebraucht wurden. Vielleicht gibt es aus diesem Grund keine Gleispläne oder sonstige Unterlagen über die Feldbahngeschichte.

Hier am Coevorden-Piccardie-Kanal waren 4 Transportwege nebeneinander. Der Kanal auf dem je Monat ca.30 und zu Spitzenzeiten fast 200 Lastkähne mit 60t – 80t den Kanal passierten. Sie kamen aus den Niederlanden, aus dem Ruhrgebiet und von der Ems. Jüngere Generationen können sich das sicher nicht mehr vorstellen. Neben dem Kanal verlief ein Fahrradweg. Nur festgefahrener Sand mit den heutigen Fahrradwegen nicht zu vergleichen. Hinter einer Reihe Birken, ein Feldweg unbefestigter Sand für Pferdefuhrwerke, daran schlossen sich die Schienen der Feldbahn an.

Diese war zu der Zeit neben dem Schiff das Transportmittel Nr. 1. Die Kultivierung des Emslandes wäre ohne die Feldbahnen nicht möglich gewesen. Beim Graben- und Wegebau wurden riesige Mengen Sand bewegt. Erst vom Reichsarbeitsdienst, dann von Strafgefangenen, während des Krieges von Kriegsgefangenen verschiedener Nationen und nach dem Krieg von Flüchtlingen und Einheimischen sowie Strafgefangenen aus der JVA Groß Hesepe. Hier kamen die Kipploren zum Einsatz.

 Wie von alten Neugnadenfeldern berichtet wird, mussten pro Mann und Tag zuerst 15 Kipploren beladen werden. Später wurde es bis auf 23 Loren pro Tag heraufgesetzt. Jede Lore hat ein Ladevolumen von 0,75 m³.das waren dann 17,25m³ Sand die mit der Schaufel bewegt werden mussten. Wir haben einen Film und Fotos, wo diese Arbeiten dokumentiert sind.

Nach der Schufterei im Moor war der Arbeitstag noch lange nicht zu Ende: Brenntorf musste für den Winter gestochen und getrocknet werden. Der Garten und Kleinvieh mussten versorgt werden um den täglichen Lebensunterhalt zu sichern. Während der Aufbauphase kam der größte Teil der Baumaterialien mit dem Schiff am Kanal an. Alles wurde per Hand auf Loren umgeladen und zu den Baustellen transportiert. Um vom Hauptgleis zu der Baustelle zu gelangen verlegte man ein Stichgleis. Mit Hilfe eines sog. Frosch´ s konnten die einzelnen Loren auf das Stichgleis umgesetzt werden um sie dann an Ort u. Stelle abzuladen.

Leider ist es uns bis jetzt nicht gelungen einen s. g. „Brigadewagen“ aus dieser Zeit aufzutreiben. Diese Wagen wurden u. a. für den Personentransport eingesetzt. Im Krieg und auch danach wurden die Gefangenen in diesen Brigadewagen zu Baustellen im Moor transportiert.

Auch als Nahverkehrsmittel z. B. für die Fahrten zum Missionsfest nach Dalum und umgekehrt wurden sie eingesetzt. Reichte der Diesel für die Lok nicht, wurde ein Pferd angespannt. Auch dies ist noch in Bildern und Film dokumentiert. Ohne die Rungen also ohne dies Geländer wurden Schienen damit transportiert. Im Original sind diese Wagen ca. 7m lang und vorne und hinten mit einem Drehgestell versehen.

Der hier ausgestellte Wagen ist ein umgebauter Torfwagen. Wir werden aber weitersuchen um hier auch ein Original auszustellen. Vielleicht weiß einer der dies hier liest, wo sich noch so ein Wagen befinden könnte und kann uns einen entscheidenden Tipp geben. Der sog. Hund hat ein Fahrwerk wie eine Kipplore und wurde für die verschiedensten Sachen benutzt z. B. Transport von Baumaterialien oder Essenskübel für die Gefangenen bzw. die Arbeiter im Moor. Gezogen wurden die Loren von kleinen Dieselloks wir haben hier eine Dima DL6 Listerdiesel ausgestellt.

Eine Deutzlok, die im Film zu sehen ist, wird noch restauriert. Die hier vor den Schienen verlegten roten Pflastersteine sind original Steine aus dem Lager Groß Hesepe, die unser Verein gerade noch vor den Schredder retten konnte. Auch in Neugnadenfeld waren die Straßen mit solchen Steinen befestigt. Weitere Steine haben wir für verschiedene Arbeiten, die an die Geschichte Neugnadenfelds erinnern reserviert. In der Zeit so ab 1946 war das Wasserwirtschaftsamt Meppen mit einer Außenstelle in Badhorn (Das große Gebäude gegenüber der Brücke nach Hoogstede heute mit vielen Dachfenstern).

Dort war einmal die Bauleitung zur Überwachung des Graben- und Wegebau´ s untergebracht. Heute nicht mehr zu sehen eine Magazinbaracke mit Spaten, Stopfhämmern für den Gleisbau und alles was sonst noch für die Arbeit im Moor gebraucht wurde. Ergänzt durch eine Tischlerei, einen Lokschuppen mit ca. 10 Loks und einer Reparaturbaracke in der die Loks und ca. 300-400 Loren gewartet wurden. Die Moorverwaltung war für die Kultivierung der Moorflächen zuständig. Schutzstreifen und Wäldchen wurden angepflanzt. Dazu gehörte auch der Einsatz der OTTOMEYER Dampflokomobile mit dem größten Pflug der Welt.

Die Erde konnte bis 1,8m tief gepflügt werden. Die Kohlen für diese Maschinen kamen auch per Schiff. Mit der Feldbahn wurden sie dann zu den Dampfmaschinen im Moor gefahren. Auf- und abladen alles per Hand und bei jedem Wetter. Pflug und Lokomobile können noch im Moormuseum Groß Hesepe besichtigt werden. Beim Wasserwirtschaftsamt und der Moorverwaltung fanden viele Neugnadenfelder Arbeit. Noch heute sind Feldbahnen bei den verschiedenen Torfwerken im Einsatz. Damit das Wissen über die Entstehung der heutigen Landschaft und den Ort Neugnadenfeld nicht verloren geht, soll diese kleine Anlage für nachfolgende Generationen die vergangene Zeit „begreifbar“ machen.