Entstehung

Neugnadenfelds Entstehung geht in das Jahr 1946 zurück: Damals suchten Vertriebene aus Westpolen, Westpreußen, Ostpreußen, Posen, Pommern und Schlesien im Land Niedersachsen einen Ort, um sich dort sammeln und ansiedeln zu können. Die meisten von ihnen waren Bauern und Handwerker. Durch die Arbeit der Herrnhuter Brüdergemeine an evangelischen Christen in katholischer Umgebung hatten sie in ihrer früheren Heimat engen Kontakt zur Brüdergemeine bekommen und brachten den Wunsch nach einer Herrnhuter Siedlung vor.

Der damalige Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf wies sie auf das ehemalige Kriegsgefangenenlager Alexisdorf am Südwestrand des Bourtangermoores hin, ein Barackenlager in öder Umgebung. Am 6. Februar 1946 besichtigten einige dieses Lager im Moor. Sie schlugen das Losungsbuch der Brüdergemeine auf und fanden darin für diesen Tag das Wort:

‚Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen!‘

(Psalm 24,1)

Dieses Wort wurde für sie und für alle, die in der kommenden Zeit dort eine Bleibe fanden, wegweisend. Am 10. April 1946 trafen die ersten neun Bewohner im Barackenlager ein. Am 13. August 1946 kam es zur Gründung der ‚Herrnhuter Brüdergemeine Neugnadenfeld‘ – ‚ein neues Feld der Gnade Gottes‘ mit der aus dem Lagerkasino umgebauten Lagerkirche. Die Baracken wurden zu Wohnbaracken eingerichtet. Zur gleichen Zeit wurden seitens der Gemeinde Posaunen- und Kirchenchor ins Leben gerufen, ebenso Kinder- und Jugendarbeit. Im Jahr 1950 hatten durch Gottes Gnade etwa 1000 Heimatlose im Lager wieder eine Bleibe gefunden, darunter 220 Schulkinder.

Der Staat erschloss und kultivierte unter voller Mithilfe der Bewohner das Moor- und Heidegebiet. 1949 hatte die Siedlungsbehörde mit dem Bau der ersten Häuser begonnen. Ende 1959 waren damals 17 Grossiedlungen und 112 Kleinsiedlungen fertiggestellt. Im Jahr 1952 konnte ein Kindergarten die Arbeit an den vielen hier wohnenden kleinen Kindern aufnehmen und sie auch vorbereiten auf ihre spätere Schulzeit. Dieser Kindergarten war ein Geschenk einer holländischen Flüchtlingsorganisation. Von vielen Seiten erlebten die Bewohner gerade in den ersten so schweren Jahren Hilfe und Förderung, vor allem von den Einwohnern der Nachbardörfer Es kamen Mitchristen aus der weltweiten Brüderunität, vom Weltkirchenrat, den Hilfswerken der Schweiz, Schwedens, Hollands, Amerikas, sahen sich um und mobilisierten dann nach Rückkehr in ihre jeweilige Heimat ihre Mitchristen zum Opfer für Neugnadenfeld als ein Zeichen der Vergebung und Bruderschaft. Es waren Hilfen weit über das Materielle hinaus.

1956 konnte die neuerbaute vierklassige Volksschule eröffnet werden, nachdem die ständig wachsende Schülerzahl die Jahre vorher in einer kleinen Schulbaracke unterrichtet worden war. Die zweite Bauperiode im Ortskern begann 1957; die Baracken verschwanden somit eine nach der anderen. Die Barackenkirche wurde immer baufälliger und konnte auch kaum mehr den Gemeindegliedern zu den gottesdienstlichen Versammlungen genug Raum bieten. So sammelten die Neugnadenfelder vier Jahre hindurch für den Bau einer Kirche. Hierfür ihr Opfer aus Dankbarkeit zu geben, war für sie eine freudige Sache. Es kamen viel Spenden weiterhin von den Kirchen der Grafschaft Bentheim, von allen westdeutschen und ausländischen Brüdergemeinen und der Deutsch-Schwedischen Flüchtlingshilfe. Auch der Staat gab einen Zuschuss. Die Grundsteinlegung fand im August 1958 statt. Im September 1959 kam dann der große Tag der Kircheneinweihung. So steht sie nun in der Mitte des Dorfes im Stil der Kirchsäle der Brüdergemeine, schlicht mit einem kleinen Turm in der Mitte des Daches und innen ganz in Weiß gehalten. Die Gemeinde zog am Morgen jenes 13. September hinter dem Posaunenchor aus der Barackenkirche in die schöne neue Kirche.

‚Der Herr hat Grosses an uns getan, des sind wir fröhlich!‘

(Psalm 126,3)

Etwas außerhalb des Dorfes hatte man bereits 1947 einen Friedhof, ebenfalls nach Art der Brüdergemeine, angelegt. Er wurde beim Begräbnis eines Kindes eingeweiht als ‚Gottesacker der Brüdergemeine Neugnadenfeld‘. Dort werden die zum Herrn Heimgegangenen in der Reihenfolge ihres Sterbedatums Grab neben Grab zur Ruhe gebettet. Das Grab ziert ein schlichter Stein mit Namen, Geburtsdatum und Geburtsort, ebenso Sterbedatum und darunter ein Bibeltext in Worte gefasst, damit die Lebenden auch an dieser Stätte die Botschaft vom Herrn über Leben und Tod und dem ewigen Leben vernehmen können.

Am Ostermorgen, bei Sonnenaufgang, zieht die Gemeinde, vom Bläserchor angeführt, hinaus auf den Gottesacker, um nicht nur der Verstorbenen zu gedenken, sondern auch an den eigenen Tod zu denken und vor allem an den, der die Auferstehung und das Leben ist und es uns schenken will.

Durch Spenden der Mitglieder, Freunde, Nachbargemeinden und durch öffentliche Zuschüsse konnte im August 1991 das Jugend- und Gemeindehaus ‚Johann Amos Comenius‘ eingeweiht werden. es ist direkt an die Kirche angebaut und bietet, neben den verschiedenen Gemeinderäumen, Platz für Freizeiten mit bis zu 10 bzw. 20 TeilnehmerInnen. Die einfachen Übernachtungsmöglichkeiten stehen aber auch Einzelgästen zur Verfügung. Seit 1970 gehört Neugnadenfeld mit noch anderen Dörfern zur Samtgemeinde Emlichheim. Heute wohnen hier am Ort etwa 800 Bürger, die gegenüber der Anfangszeit weithin nicht Mitglieder der Brüdergemeine sind. Ihre kirchliche Zugehörigkeit verteilt sich auf Lutheraner, Reformierte, Altreformierte und Katholiken. Zur Brüdergemeine gehören 346 (Stand vom 31.12.2000).

Die Herrnhuter Brüdergemeine als eine weltweite evangelische Freikirche ist seit über 200 Jahren bestrebt, unter Christen verschiedener Konfessionen, wie unter Nichtchristen Jesus Christus als den gekreuzigten und auferstandenen Herrn zu bezeugen. Möge unter Seiner segnenden Hand auch weiterhin dieser Ort ein Feld der Gnade Gottes sein! Auf dem Kirchensiegel des Ortes sehen wir einen Pflug und Getreideähren, dahinter aufgerichtet das Kreuz.

‚Ich will einen Bund des Friedens mit ihnen machen‘, spricht der Herr, ‚dass sie sicher wohnen sollen in der Wüste. ich will sie segnen und auf sie regnen lassen zur rechten Zeit… Ja, ihr Menschen sollt die Herde meiner Weide sein, und ich will euer Gott sein.‘

(Hesekiel 34 i.A.)